Liebe Leserinnen und Leser,

Wie viel muss man gemeinsam haben, um miteinander leben zu können? Die gleiche Kultur, die gleiche Herkunft, die gleichen Bräuche? Manche Menschen meinen, dass all das nötig sei. Dabei ist es auch möglich, friedlich miteinander zu leben, wenn wir nicht das Gleiche denken, das Gleiche mögen und oft nicht einmal die gleiche Sprache sprechen. „Leben und leben lassen“, das ist der Wahlspruch vieler Menschen in dieser Region. Manche betrachten das als Desinteresse oder Positionslosigkeit. Man kann aber dahinter auch die Erkenntnis sehen, dass es reicht, wenn wir einander achten und nebeneinander stehen lassen können, was sich nicht vereinheitlichen lässt. Und das hat in Hanau Tradition.

Im 18. Jahrhundert gab es im gesamten Fürstentum Hanau lutherische und reformierte Gemeinden. Oft mussten winzige Dörfer zwei Pfarrer, zwei Kirchen, Pfarrhäuser, Schulen, Lehrer etc. finanzieren. Anderswo mussten Gottesdienstbesucher manchmal drei Berge überwinden, obwohl eine Kirche am Ort war. Viele ärgerten sich darüber. Warum bildete man nicht einfach eine Gemeinde? War es nicht wichtiger, zusammen zu kommen und miteinander Gottesdienst zu feiern, als sich darüber zu streiten, in welcher Weise Christus im Abendmahl anwesend ist? War es nicht nötig, die Fragen der neuen Zeit anzugehen und gemeinsam für Glaubwürdigkeit und Einfluss der Kirchen zu kämpfen, statt die Unterschied im Gottesdienst weiter als trennend zu betrachten?

Es wurde vorgeschlagen, die beiden Kirchen zu einer evangelischen Kirche zusammenzufassen, eine gemeinsame Kirchenverwaltung zu schaffen und gemeinsam Abendmahl zu feiern. Die Zahl der Kirchen, Pfarrstellen und Schulen sollte zunächst so bleiben wie sie war und die Gottesdienste wie gewohnt gefeiert werden. Auf einer Synode im Mai 1818 wurde die Union beschlossen.

Manch einer war skeptisch, ob diese Verbindung halten würde. Spöttisch wurde sie als Buchbinderunion bezeichnet, weil man einfach beide Lehrbücher (Katechismen) in einem Buch zusammengebunden hatte. Doch die Union hatte trotz mancher Schwierigkeiten Erfolg. Im Laufe der Zeit wurde deutlich, dass es klug ist, auch scheinbar Unvereinbares nebeneinander stehen zu lassen, und lieber dafür zu sorgen, dass ein gutes Zusammenleben möglich ist..

Von diesem Geist ist Hanau auch heute geprägt. Darum feiern wir im Anschluss an das 500jährige Jubiläum der Reformation das 200jährige Jubiläum der Hanauer Union unter dem Motto „zusammen in vielfalt glauben“.Das Jubiläumsjahr umfasst vielerlei Vorträge und Veranstaltungen. Höhepunkt des Jubiläums wird das Unionsfest am Sonntag, den 16. September 2018, ab 14.00 Uhr, auf dem Hanauer Marktplatz werden. Alle Termine und Themen finden sie unter www.hanauer-union.de oder im Programmflyer, der im Evangelischen Gemeindezentrum und in der Kirche ausliegt.

 

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