Liebe Leserinnen und Leser,

 Die Evangelien enden nicht mit Jesu Tod. Die Bilder des Schreckens sind nicht das Letzte, was wir sehen und erleben. Da ist noch eine Hoffnung, die den Schmerz übertrifft. Die Geschichte geht weiter: Sein Grab wird drei Tage nach seiner Hinrichtung leer aufgefunden, und seine Freundinnen und Freunde sehen den Gekreuzigten - lebendig. Ihre Tränen trocknen, sie fassen neuen Mut. Gott hat Jesus nicht im Stich gelassen, die Mächte des Todes sind gebrochen. Auferstehung nennen wir Christen die Rückkehr Jesu ins Leben. Sie begründet unsere größte Hoffnung. Es ist die Hoffnung, dass Schmerz und Elend nicht das letzte Wort haben, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist, sondern neues Leben folgt.

Was ist dran an den Berichten derer, die den Auferstandenen gesehen haben? Maria Magdalena hat ihn gesehen, als sie weinend an seinem Grab stand. So beschreibt es der Evangelist Johannes. Sie hielt ihn zunächst für den Gärtner und erkannte ihn erst, als er ihren Namen aussprach. Jesus ist also nicht mehr so, wie er vor seinem Tod war. Er hat sich sehr verändert. Aber es ist auch nicht einfach ein anderer, der mit Maria spricht. Es ist derselbe Mann, mit dem sie umherzog und ihr Leben geteilt hatte. Die Art, wie er sie anspricht, ist unverwechselbar. Und für Maria ist klar: „Ich habe den Herrn gesehen!“

Diese Geschichte und auch andere biblische Berichte machen deutlich: Auferstehung ist keine Wiederbelebung des alten Körpers. Es beginnt etwas Neues. Aber eben etwas Neues aus dem Alten heraus, aus dem Toten wird neues Leben. Die Identität des Auferstandenen mit dem verstorbenen Jesus lässt sich nicht durch Gesichtskontrolle oder Blutgruppenüberprüfung beweisen. Sie lässt sich durch das Verhalten seiner Freunde begründen, die er nach seinem Tod aus der Trauer herausführte und die ihm noch immer vertrauten. Sie gingen seinen Weg weiter und gaben seine Botschaft weiter, dass der Tod besiegt ist. Diese Hoffnung bestimmt seither den Glauben der Christen und das ist ein Grund zur Freude. An Ostern feiern wir diese Hoffnung: mit fröhlichen Gottesdiensten, grünen Zweigen, bunten Eiern, dem Osterlicht in der Osternacht und dem alten Osterruf: „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!“.

Ines Fetzer