Liebe Leserinnen und Leser,

Mit dem Weihnachtsfest verbindet sich eine große Sehnsucht nach Frieden. Frieden in der Welt und Frieden in der Familie. In der Weihnachtsgeschichte wird uns dieser Frieden verkündet: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ (Lukas 2,14) Vom Frieden singen die Engel. Sie sagen uns, dass der Friede auf Erden mit dem kleinen Kind zu tun hat, das dort in Bethlehem unter ärmlichsten Bedingungen geboren wurde.

Friede auf Erden. Wir erleben: Was die Engel verkünden, steht oft im Gegensatz zu den Verhältnissen, die in unserer Welt herrschen. Wer vom Frieden singt, weiß um den Unfrieden. Vieles ist friedlos – damals wie heute. Auch das allmählich zu Ende gehende Jahr 2018 hat dafür bittere Beispiele geliefert. Kriege, die kein Ende zu nehmen scheinen. Dazu kommt, dass politische Kräfte immer mehr Oberhand gewinnen, die nicht für Ausgleich und Solidarität eintreten, die keine Brückenbauer sind, sondern einteilen und aussortieren, Mauern bauen und trennen.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie wertvoll der Frieden ist, den wir politisch bei uns seit vielen Jahrzehnten erleben und manchmal fast gedankenlos voraussetzen. Selbstverständlich ist das nicht. Überhaupt nicht. Friede auf Erden? Eher die Ausnahme. Dennoch hören wir jedes Mal die Worte der Engel vom Frieden mit innerer Bewegung. Sie berühren eine tiefe Sehnsucht in uns. Je friedloser uns das Leben erscheint, umso stärker wird die Sehnsucht, dass es anders sein möge, als die Verhältnisse nun einmal sind. Die Worte der Engel nähren in uns den Glauben, dass Frieden möglich ist – in unserem engsten Umfeld und ebenso in der Welt!

In Jesus zeigt Gott uns, wie der Weg des Friedens aussieht: Er ist beschwerlich, fängt ganz unten an, hat mit Rückschlägen zu tun. Genau so war es schon bei der Geburt Jesu: Der von den Propheten Israels verheißene Friedefürst kam nicht im Palast zur Welt, sondern abseits in einem Stall. Aber ausgerechnet von diesem Ort ging eine Friedensbewegung aus, die sich immer wieder an Jesus ausrichten konnte. Er war es, der den Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt durchbrach und die Gewaltanwendung bloßstellte, indem er sagte: „Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.“ Er brachte mit seinem Kommen die Feindesliebe in die Welt: „Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.“ Und er pries all jene glücklich, die sich für den Frieden einsetzen: „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Friede auf Erden! Dafür steht Weihnachten, dafür steht Jesus ein.

Warum setzen wir das nicht um, obwohl wir doch eigentlich nichts lieber hätten als den Frieden? Warum hat es der Friede unter uns Menschen so schwer? Auch darauf geben uns die Engel am Himmel über Bethlehem eine Antwort. Weil wir Gott vergessen. Die Engel dagegen verbinden die Verheißung des irdischen Friedens gerade mit Gott: „Ehre sei Gott in der Höhe.“ Damit fängt es an – und das ist der Weg zum Frieden in unserer Welt.

Wenn wir der Stimme der Engel folgen und anfangen zuerst und vor allem Gott die Ehre zu geben, beginnt der Weg des Friedens. Mit unserer Hinwendung zu Gott wenden wir uns zugleich ab von den Mächten, die Unfrieden stiften. Wir werden aufmerksam, wir lernen zu unterscheiden, fallen nicht auf simple Antworten rein, lassen uns nicht verführen. Wir setzen etwas dagegen, indem wir der Versöhnung und dem Frieden Gottes folgen. Nach Gottes Willen zu fragen und sich an ihm auszurichten, an diesem Gott, der sich uns heute als Kind in der Krippe zeigt, kann unsere Welt und unser Zuhause tatsächlich friedvoller machen. Unser Glauben führt zum Frieden.

Ich wünsche Ihnen in diesem Sinn friedvolle Weihnachtstage! Dass wir uns von den Engeln anrühren lassen, nach Gott fragen, ihm und keinem anderen die Ehre geben - vielleicht in einem der Gottesdienste, die wir an Weihnachten in unserer Gemeinde feiern. Und im neuen Jahr können wir uns dann auf den Weg der Jahreslosung 2019 machen: „Suche den Frieden und jage ihm nach!“

Eckhard Sckell

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